Schrei der Großstadt (1948) – Robert Siodmak

Der Schrei der Großstadt (1948), im Origininal: The Cry of the City, ist ein schwarz-weiß Noir, der im klassischen Jahrzehnt des Noir entstand. Der Film basiert auf dem Roman The Chair for Martin Rome von Henry Edward Helseth. Das Subgenre des Filmes wird als semidokumentarisch beschrieben. Das heißt, statt mit Bühnenbildern beim Dreh zu arbeiten, setzt man auf Originalschauplätze. Dadurch ensteht ein mehr oder weniger dokumentarischer Polizeifilm. Ein weiteres Beispiel für diese Machart von Filmen ist der Kriminalfilm Der Todeskuss (1950) von Henry Harthaway. Zu diesem Film existiert nebenbei eine Neuverfilmung aus dem Jahr 1995 mit Samuel L. Jackson und Nicolas Cage in den Hauptrollen.

In der Handlung des Filmes geht es um den Gangster Martin Rome und Lieutenant Candella. Sie wuchsen beide im Viertel Litte Italy in New York auf. Dieses Viertel bekam vor allem zu im 19.Jahrhundert eine Menge Zulauf an italienischen Einwanderern. Es gilt als die Wiege der amerikanischen Mafia und der Cosa Nostra.  Nach und nach haben sich Viertel wie Little Italy und Little Germany im 20.Jahrhundert durch steigenden Wohlstand auf. Heute beträgt der Anteil italienischstämmiger Bewohner auf etwa 5 Prozent. Die letzten Überreste von Little Italy findet man heute hauptsächlich auf der Mulberry Street. 
Die beiden Helden waren zu ihrer Kindheit enge Freunde. Candella begann seine Karriere als Polizist, während Rome sich vom Kleinkriminellen allmählich zum Gangster und Mörder entwickelte. Als Rome wegen eines Juwelenraubes inhaftiert wird, tritt er seinem ehemaligen Jugendfreund in beruflicher Mission gegenüber. Es steht ihm der Prozess bevor, doch er hat längst andere Pläne gemacht. Er und seine geliebte Teena wollen ein neues Leben beginnen. In einem unachtsamen Moment kann er aus dem Gefängniskrankenhaus flüchten. Doch sein ehemaliger Freund wird ihm bei seiner Flucht zum Rivalen. Es kommt zu einem erbitterten Duell zwischen den ehemaligen Freunden auf den nächtlichen Straßen New York. Noir-typisch wird der Antiheld seinem Schicksal ausgeliefert. Der Traum von einem neuen Traum zerplatzt und die Überreste fließen in den Rinnstein. Wie für italienische Gangster üblich entwickelt sich die Geschichte zu einem Drama rund um Freundschaft, Vertrauen und Familie. 
Robert Siodmak gehört zum klassischen Repertoire des Film Noirs der 40er und 50er. Doch dieser Film kann nicht so überzeugen, weder die Kritiker noch den Rest der Zuschauer. Das mag vor allem an den schwachen Rollen der Darsteller liegen. Da können Filme wie Gewagtes Alibi (1948) oder Rächer der Unterwelt/ Die Killer (1946) wesentlich mehr punkten. 
Ein Film von vielen, wenn man ihn im Kontext anderer Noirs betrachtet. Denn gegen Werke wie Frau ohne Gewissen (1944) oder dem späten Noir Im Zeichen des Bösen (1958) sieht er leider alt aus. Nur die gewohnte Bildästhetik weiß der Film zu bedienen. 
Es bleibt jedoch zu bewundern wie realistisch der Film durch seine realen Drehorte wirkt, auch wenn die Rollen nicht überzeugend wirken, so bleibt er doch stilbildend für ein Jahrzehnt des Film Noirs.