Mystery Train (1989) – Jim Jarmusch

Film Großstadt

Jim Jarmusch ist ein Regisseur, der mir erstmalig in der Wühlküste beim Ausramschen der DVD-Ecke im Buchladen in die Hände gefallen ist. Und als ich den Film das erste Mal anschaute, wusste ich auch weshalb. Er macht seinem Image als Independent Regisseur, wie es schon die Verpackung verrät, alle Ehre. Es ist ein Stück Film, vielleicht sogar einmal ein Stück Filmgeschichte, das nicht so recht mit üblichen Filmen verglichen werden kann. In der Literatur heißt es, man kann zwar Texte und Geschichten schreiben, die so völlig anders sind, als das was man üblicherweise erwartet. Aber in der Bestätigung der Erwartung liegt auch gleichzeitig ein Stück Wohlwollen. 

Stadtmotiv

Denn zu viel Missverständnis lässt eine Handlung schwerfällig und uninteressant wirken. Dennoch hat sein Film „Mystery Train“ seine Aufmerksamkeit auf mich gelenkt. Die Figuren im Film sind keine Konversationsgenies. Anfangs hat es den Eindruck, als ob die Rollen schlecht geschauspielert wurden. Aber in der Tat wurden sie hervorragend gespielt. Nur eben in dem Stil, den Jarmusch sich ausdrücklich wünschte. Seine Figuren unterhalten sich knapp, trocken und treffend. 

Stadtmotiv

Dies kann man als Stilmerkmal bezeichnen, dass sich durch einen Großteil der Filme zu ziehen scheint. Und während man so diese Personen länger betrachtet, tritt ihr Gerede irgendwie mächtig in den Hintergrund. Es wird zu einem Hintergrundgebrabbel, da anscheinend nichts außer ein paar wenige Nettigkeiten ausgetauscht werden. Nichts von Belang, alles kleine Begegnungen. Vom Aussehen und Auftreten, anders als in der verbalen Kommunikation, treten die Personen aber teils sehr schrullig in den Vordergrund. Diese genannten Eigenschaften stehen irgendwie in einem Missverhältnis zueinander, ein betont gewolltes. Nur für den Zuschauer wird es manchmal anstrengend, Personen auf diesen beiden Ebenen wahrzunehmen. Aber hinter den scheinbar flachen Persönlichkeiten liegen Charakter auf einer tieferen Ebene, die sich nur sehr schwer entziffern lassen. Die Personen strahlen aber Durchweg eine Sehnsucht aus, so als ob sie alle irgendetwas auf der Suche wären.

Motiv, Stadt, urban

Jenseits der Figuren hat der Regisseur Jarmusch jedoch eine wunderbare filmische Leistung in Sachen Bild getroffen. Alle Szenen spiegeln den amerikanischen Traum wieder, zumindest all das, was wir uns darunter Vorstellen können. Dabei deutet er auch in seinen Figuren selbst Abgründe dieses Traums an. Wohlgemerkt, er deutet sie nur an. Einen antiamerikanischen oder pessimistischen Jarmusch wird man nicht finden. Dies erinnerte unweigerlich ein wenig an David Lynch, der sich gern demselben Sujet bedient. Allerdings findet es bei ihm eine völlig andere Ausgestaltung. Wenn man beide Regisseure kennt, wird man merken, dass sich beide im selben Themenbereich bewegen. Ihn aber dennoch völlig anders ausgestalten. Die Handlung strahlt etwas Beschwingtes aus, ohne wirklich einen Eindruck von Glück zu vermitteln. Jarmusch packt immer einen kleinen Hauch von Poesie mit ein. An dieser Art merkt man, wie durchdacht der Film dennoch sein muss, wenn man beim ersten Hinsehen die Dialoge so überfliegt.

Grossstadt

Im Film Mystery Train geht es hauptsächlich um ein junges Paar aus Japan Jun (Masatoshi Nagase) und Mitsuko (Youki Kudoh). Dies ist eine von drei kleinen Geschichten (far from Yokohama, a ghost, lost in space), die der Film erzählt. Und gleichzeitig wohl die, an der man die ganze Handlung festmacht. Denn um diese Anfangsgeschichte reihen sich die zwei kleineren, die der Film nach Manier von Pulp Fiction zu erzählen versucht. Alle drei spielen im Hotel Arcade in Memphis. Zusammengehalten werden die Szenen angeblich von einem Schuss, in den alle Geschichten irgendwie verwickelt sind. Dieser Punkt kommt aber leider zu wenig zum Tragen, finde ich. Er fällt dem Zuschauer schlichtweg nicht so ins Auge, wie man es vielleicht erwartet. Aber wie gesagt, man hat es hier mit einem Independent Film zu tun und muss ihm die Chance gewähren auf eigene Art, Nicht-Hollywood-Art, eine Aussage zu machen. Ich kann den Film schon von der filmischen Darstellung her empfehlen. Jedenfalls hat er mich mehr optisch überzeugt, als sein eigentlicher Inhalt der Geschichten. Trotzdem sehenswert! Man entdeckt in jedem Fall ein kleines Stück Jarmusch-Charme und Poesie in den Geschichten. 

Gibt es noch weitere sehenswerte Jarmusch-Filme? Habe ich etwas ausgelassen?