Marc Augé – Nicht-Orte

Einführung:

 Marc Augé, ein französischer Anthropologe und Ethnologe, hat vor einigen Jahren ein interessantes Buch herausgebracht. Es setzt sich mit dem Leben der modernen Gesellschaft auseinander. Er beschreibt aus Sicht eines Anthropologen ein Phänomen, das uns allen wohl bekannt ist. Er beschreibt aus philosophischer Sicht die Entstehung sogenannter Nicht-Orte. 

Der Begriff des Nicht-Ortes

Orte in denen Menschen, Tag aus Tag ein, auf der Durchreise sind. Es sind die zahlreichen Supermärkte, Parkplätze, Flughäfen und Bahnhöfe, in die wir täglich strömen und doch nicht zu Hause sind. Es sind Orte des Lebens. Jeder der täglich in ihnen unterwegs ist, kennt sie in- und auswendig, entwickelt ein Gefühl der Gewohnheit. Und besonders nachts, oder wenn einer dieser Orte sich seinem eigentlichen Zweck entzogen hat, zeigt sich das Problem der Identitätslosigkeit. Sie wirken bekannt, aber in dieser Funktionslosigkeit dennoch wie ein Geisterort. So wie ein Ort durch seine Identität gekennzeichnet ist, seine Geschichte und Relation. So sind die Nicht-Orte durch die Abwesenheit solcher Eigenschaften gekennzeichnet. Die Nicht-Orte besitzen keine Geschichte. Sie sind in diesem Sinne nicht natürlich entstanden. Man erschuf sie, um einen Zweck zu verfolgen. Ist dieser Zweck verloren, wird er zu einem Ort, an dem allenfalls noch der Verfall dieser kurzen Geschichte zu beobachten ist. Nur das Zusammentreffen am Nicht-Ort lässt eine flüchtige Identität entstehen. Die alle anwesenden Menschen implizit miteinander teilen. Sie sind das Maß unserer Zeit meint Augé. Denn für Augé zeigt sich daraus eine ganz neue Gesellschaftsdynamik. Sie charakterisiert sich durch ein Übermaß an Raum, an der Überfülle und der Endzahl der Ereignisse.

Die Post-Post-Moderne 

Das Übermaß durch Raum kommt durch die Unbegrenztheit zustande. Die modernen Transportmittel erlauben uns unseren Lebensraum überall hin auszuweiten, nahezu unendlich. Das gilt mehr für das Individuum allein, als für die gesamte Menschheit. Dieses Übermaß an allem bezeichnet er als Über-Moderne oder Post-Post-Moderne. Ich verstehe darin aber keine Weiterentwicklung des Konzeptes der Postmoderne. Ich sehe in dieser Einstellung mehr einen Rückschritt zu den Ansichten der Moderne zu Beginn der Jahrhundertwende um 1900. Da war man der Ansicht, die Menschheit sei verrückt geworden, sie entwickelt sich überschnell und erschließt Bereiche, die den Menschen überfordern, ihn kaputt machen. Es liegt hier also eine negative Sicht vor, oder zumindest eine, die sich an vergangenem orientiert. Damit wird die Moderne zwar erkannt, aber dennoch gemessen am Geschehenen. Man bezeichnete diese Umwälzung der Gesellschaft als Identitätsverlust, wenn auch nicht in allen Kreisen. Augé setzt aber mit seiner Ansicht an die Expressionisten der Moderne an. Auch diese haben bereits von ähnlichen Vorstellungen gesprochen. Der Identitätsverlust wird bei ihnen negativ konnotiert. Womit man gleichzeitig eine Art Antimoderne heraufbeschwört. Auch wenn dieser Verlust zu großen Teilen bejaht wird. Eine Weiterentwicklung ist somit für mich nicht erkennbar. Vielleicht ist er einfach ein Epigone der Moderne geblieben. Neben diesen Ansichten zur Moderne, oder besser gesagt, zur Epoche in der wir zu leben glauben, liefert er aber seine wirklich neuen Ausführungen zu den besagten Nicht-Orten. Seine Gedanken gehen teilweise stark ins Abstrakte und bewegen sich ein wenig in Richtung Mystifizierung. Ich würde den Text mehr als philosophische Schrift ansehen, als als eine durchgängig wissenschaftliche Arbeit. Sie liefert dennoch kleine Denkimpulse, die in jedem Fall ihre Begründung in der Realität finden.

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