Gattaca (1997) – Andrew Nicol

Gattaca Andrew nicol dna dns
Leistung und Perfektion.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Diese Tatsache dürfte wohl keinem entgangen sein. Wir haben Technik, die uns Aufgaben abnimmt und uns damit noch Leistungsfähiger macht. Gentechnik erwächst zur Normalität, auch wenn möglicherweise noch ethische Bedenken im Weg stehen. Aber wohin kann uns diese Entwicklung führen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Film Gattaca
Er macht den genetischen Perfektionismus zur Voraussetzung eines „normalen Lebens“. Schon vor der Geburt bestimmt man, inwiefern der Mensch biologisch determiniert ist. Damit existieren in dem Sinne keine natürlichen Geburten mehr. Ganz im Sinne der Darwinschen Theorie des Überlebens des Stärksten. Man weiß nicht nur woran du sterben wirst und wann, auch welche Neigungen du hast wie Alkoholismus, sowie Rückschlüsse auf deinen Charakter. Aber ist denn unsere Genetik wirklich so deterministisch? Das weiß bis heute genau genommen niemand. 

genetischer Determinismus?
Die Wissenschaft geht aber davon aus, dass sie uns weit weniger bestimmt, als wir annehmen. Denn sie liefert nur den Grundstein des Lebens, ob jemand an etwas erkrankt oder dergleichen, hängt immer noch davon ab, wie er damit umgeht. Und das ist und bleibt immer noch Willenssache.

Ganz nebenbei ist der Filmtitel Gattaca aus den Buchstaben zusammengesetzt, mit denen man in der Wissenschaft die 4 Bestandteile unserer genetischen Informationen benannt hat. Guanin, Cytosin, Adenosin und Tymin. Natürlich ist das keine zufällige Anspielung.

Die Leistungs-Klassengesellschaft.
Nichtsdestotrotz geht der Film Gattaca das Gedankenspiel des genetischen Perfektionismus einmal durch. Und diese Zukunft schein alles andere als rosig. Denn jemand der auf natürlichem Wege geboren wird, scheidet als zu fehlerhaft aus. Ein Mensch definiert sich nicht, wie in vielleicht der heutigen Gesellschaft, über Bildung und Vermögen. Es sind die Gene, die unseren Stand in der Gesellschaft bestimmen. Eine Klassengesellschaft auf biologischer Basis sozusagen. Was wohl die großen Sozialisten davon gehalten hätten? Denn der Faktor Reichtum und Dekadenz wäre damit abgeschafft. Es zählt die reine Leistung, die du im Laufe deines Lebens erbringen kannst. Und diese wird hier als absolut verstanden. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht.


Totalitarismus.
Denn es besteht immer noch die Möglichkeit aus dem Wettkampf unerwartet auszusteigen. Durch einen Unfall beispielsweise. Jerome Eugene Morrow (Jude Law) verkörpert diese Sorte Mensch im Film. Er ist leistungsfähig, im Sinne der Klassen perfekt, doch er erleidet einen Unfall. Den engagierten Vincent Freeman (Ethan Hawke) hat es schwerer getroffen. Er wurde auf natürlichem Wege geboren und trotz seiner großen Aufopferung gelingt es ihm nicht, ohne Hilfe aufzusteigen. Mit Hilfe von Morrows Identität soll es ihm gelingen, bis in die obere Elite aufzusteigen. Doch das totalitäre System aus genetischer Überwachung hat zahlreiche Sicherheitsbarrieren. Wie soll man seine Identität verschleiern, wenn man sie über kleinste Bestandteile seines Körpers jedem preisgibt? So beginnt eine Jagd zwischen dem System und Freeman, die er nur verlieren kann. Doch es kommt anders, er durchbricht das System mit seinen Engagement und erfüllt sich den Traum Gattaca zu verlassen. Damit wird das System an sich relativiert. Und der zum Anfang des Artikels angesprochene Wille kommt zum Tragen. 


Genre.
Der Film zeichnet damit ein düsteres Bild einer perfektionistischen Gesellschaft und bedient damit das Genre der Dystopie, einem Subgenre der Science-Fiction. Trotzdessen hat die Geschichte des Filmes auf mich sehr plausibel gewirkt. Doch man sollte hoffen, dass es eine düstere Vision bleiben wird.