Explosion des Schweigens (1961) – Allan Baron

Film unter dem Einfluss des ExpressionismusExplosion des Schweigens (im Original: Blast of Silence) nach einer Erzählung von Waldo Salt. Im Mittelpunkt steht das Schicksal des Auftragsmörders Frank Bono (der auch von Allan Baron gespielt wird)Im Laufe der Handlung werden weitere Personen auftreten, wie der alte Freund Big Ralph, der als Waffenhändler tätig ist, die alte Freundin Lori und das Opfer seines nächsten Auftrages Troiano. Bono ist ein sehr eigenwilliger, verschlossener und wortkarger Charakter. Er stammt aus einem Waisenhaus, hat eine harte Kindheit verlebt, die ihn zu dem machte was er jetzt darstellt. Aufgewachsen im Moloch einer Großstadt, hat er seine Vergangenheit verdrängt und eine neue Laufbahn eingeschlagen, eine die ihn sehr verbittert werden ließ. Und weil er so wortkarg ist, wird die gesamte Handlung wird von einem Erzähler begleitet, der die Gedanken Bonos offenbart und seine Handlungen kritisch kommentiert. Der Film beginnt mit den Worten: „Aus dem Dunkel kamst du, aus dem Nichts. Mit Hass und Wut in dir wurdest du geboren“. 
Auffallend an ihm ist seine Unentschlossenheit was Entscheidungen betrifft. Er weiß nie wirklich was er will und handelt impulsiv und unüberlegt. Dennoch redet er sich ein wie schicksalhaft sein Leben verläuft und wie ausweglos seine Situation ist. So wird er nicht selten ein Spielball seiner Verhältnisse. Als wäre er von Anfang an dazu verdammt worden, seinen Unterhalt als Auftragskiller zu verdienen. Doch als er einen neuen Auftrag annimmt, lernt er alte Bekannte kennen und es wird ihm klar, dass es neben seiner Welt noch eine weitere gibt. 

Man kann nicht einmal behaupten, dass er ein Doppelleben führt, das ihn einerseits als skrupellosen Killer beherbergt und er oberflächlich ein „normales“ Leben führt. Denn Bono lebt ausschließlich für seinen Beruf. So absurd es klingen mag, aber man gewinnt den Eindruck, es sei seine Berufung, jedoch ohne dass ihm dadurch besonderes Lebensglück zuteil wird. Er lebt völlig zurückgezogen in der Unterwelt New Yorks. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als er durch einen Zufall Lori wiedertrifft. Er wehrt sich gegen ihre Zuneigung merkt aber schnell, dass er ihr unterlegen ist, ohne dass sie dabei wie eine typische Femme Fatale des Film Noir auftritt.  Dennoch kann sie ihn zu einer Kehrtwende in seinem Leben anregen. Er beschließt nach dem Mord an einer Figur der Unterwelt namens Troiano ein anderes Leben zu beginnen. Doch so schicksalshaft alles begonnen hatte, wird auch alles enden. 
expressionistische Motive im Film Noir

Denn durch einen Zufall erfährt der alte Freund und Waffenverkäufer von dem neuen Auftrag Bonos und fordert eine Gewinnbeteiligung, was sie schließlich zu Feinden werden lässt. In einer dunklen Nacht, die Darstellung dieser Szene ist besonders noirtypisch, bringt er ihn um, eher eine Verzweiflungstat. Denn kurz vor seiner Entscheidung den Freund umzubringen, ruft er den Auftraggeber an, um den Job aufzugeben. Ein folgenschwerer Fehler, denn so arbeitet ein Profi in dieser Branche nicht. Als er versucht Lori seine Liebe zu gestehen weist diese ihn von sich und seine ganzen Illusionen, die er sich aufgebaut hatte, werden mit einem Mal zerstört. Die ganze Stadt ist ein Konstrukt aus Hoffnungen und Illusionen. In einer Szene fährt er mit einer Fähre aus der Stadt New York City, doch sie erscheint immer noch als dunkle Silhouette im Hintergrund. Sie ruft ihn zurück und treibt ihn weiter seinem Schicksal entgegen. 

Großstadtdarstellungen, Stadtmotiv im Film height=Es liegen Welten zwischen ihm und seinen ehemaligen Freunden, denn sein Lebenswandel hat ihn völlig unfähig gemacht mit anderen Menschen in Interaktion zu treten. Und so schreitet er nach seinem Mord an dem Waffenhändler wieder einsam durch die Schluchten der Großstadt, aller Illusionen beraubt und innerlich längst tot, obwohl er äußerlich noch am Leben ist. Er geht seinem Schicksal schließlich entgegen und wird selbst von seinen Auftraggebern „beseitigt“. Ein Noir den man sich „schwarzer“ nicht vorstellen kann. Er besteht aus sehr vielen dem Genre typischen Szenen, beispielsweise agieren die Figuren fast nur nachts in düsteren Gegenden, Bars und Straßen. Ihr Milieu ist die unüberschaubar riesige Großstadt, aus der man nicht entrinnen kann. Der Film kann durch seine Ästhetik als einer der klassischsten des Film Noirs gesehen werden. Besonders gelungen ist der Film dadurch, dass an keinem Set gedreht wurde, sondern dass die Szenen ohne Drehgenehmigung direkt auf den Straßen New Yorks entstanden sind. Das haucht dem Film viel Authentizität und Wahrheit ein.
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