Eraserhead (1977) – David Lynch

David Lynch Eraserhead

Es handelt sich bei Eraserhead um das Erstlingswerk David Lynchs, abgesehen von seinen Kurzfilmen. Auch dieser Film scheint ein Experiment zu sein, in dem er sich dem Film nach Manier des Surrealismus widmet. Bereits in diesem frühen Film finden sich typische Elemente anderer Lynchfilme, wie die unlineare Erzählweise und die scheinbar assoziativ hergestellte Kette an Bildeindrücken. Untermalt wird der Film von einer Tonspur, die in bedrückender Weise eine Geräuschkulisse abbildet. Dabei wirken vor allem tiefe Töne und Hintergrundgeräusche sehr in den Vordergrund gerückt. Womit Hintergrundgeräusche eine stärkere Präsenz bewirken. Die Aneinanderreihung von Szenen, die Zusammenhänge der Handlung wirken absurd und surreal. Der Beginn des Films scheint eine Metapher darzustellen, indem eine Geburt oder ein Geschlechtsakt symbolisch durch die Abbildung körperlicher Vorgänge abgebildet wird. Danach wird die Hauptfigur Henry (Jack Nance) eingeführt. Vom Aussehen erinnert er tatsächlich an einen Eraserhead, wenn man sich an dieser Stelle die Ähnlichkeit mit dem Kopf eines Bleistiftes vergegenwärtigt. 

Surrealismus und Großstadt im FilmDie Figuren im Film interagieren in einer äußerst verstörenden Weise miteinander. Während sich die Dialoge teilweise auf einem relativen Bezug zur Wirklichkeit bewegen, scheinen die Mimiken und Gestiken der Figuren, die Handlung in eine besondere Richtung der Absurdität zu lenken. Der Ausdruck der Figuren, insbesondere der Hauptfigur wirkt verängstigt, angespannt und hilflos. Diesen Eindruck vermitteln auch die Figuren späterer Lynchfilme. Die Dialoge sind spärlich, als wüssten die jeweiligen Dialogpartner genau um ihre Lage, trotzdessen sie die Zusammenhänge ihrer Lebenswelt nicht zu erfassen vermögen.
Eraserhead als surrealistischer Film mit Einflüssen des ExpressionismusIn der Darstellungsart ist der Film ebenso abstrakt gehalten. Lynch begnügt sich hier mit einer Darstellung in schwarz-weiß, was zusätzlich der Abstraktion Rechnung trägt. Insgesamt wirkt die Erzählung wie eine Montage aus stereotypen Erlebnissen, nimmt man beispielsweise die Einladung der Eltern seiner Freundin, oder seine Sorgen, nachdem ein Kind mit ihr in sein Leben tritt. An für sich handelt es sich um gewöhnliche und gebräuchliche Szenarien eines Lebens, jedoch werden diese durch bestimmte Elemente verfremdet. Das rührt vor allem von der teilweise assoziativ hergestellten Verbindung der Einzelszenen, die eine sehr lose ist. Dies sind Elemente für die Lynch in seinen späteren Filmen ebenso bekannt geworden ist. Die Darstellung des scheinbar normalen in einem völlig anderen Licht und in der Verzweiflung und Angespanntheit seiner Charaktere. 
Lynch Großstadt Expressionismus
Es wird deutlich, dass es sich hier keinesfalls um einen Film der üblichen Art handelt. Und auch wenn Lynch Anleihen beim Surrealistischen Film gemacht hat, wie „un chien andalou“ von Luis Buñuel, so wird doch klar dass Lynch hier seine ganz eigene Vorstellung von Surrealismus verwirklicht, die mit derer der klassischen Surrealisten nicht viel gemein hat. Er propagiert gewissermaßen einen Surrealismus in Form des Alltagswahnsinns, der die Charaktere in einer durchdringenden Weise überfordert. Ebenso wie den Zuschauer, weshalb ich hier von einem eher experimentellen Film spreche, da er in seinem Grad der Abstraktion geradezu untauglich geworden ist. Untauglich im Sinne eines unterhaltenden oder auch bildenden Filmes. Er wird zu einer Denkaufgabe, die sich als unlösbar herausstellt.
Eraserhead Lynch Expressionismus
Auch dem Großstadtmotiv kommt hier eine Rolle zu. Henrys Lebensraum ist eine von Industrie durchdrungene Stadt, die aber alles andere als wirklich erscheint. Auch in der Straßen spiegelt sich dieselbe Vergegenwärtigung der Angst und des psychischen Drucks auf die Gemüter der Figuren wieder. Wie bereits erwähnt werden die Szenen von Lynch von einer großstadtartigen Geräuschkulissen unterlegt. Diese gleicht wohl am ehesten einer Nachterfahrung in Industriegebieten, Bahnhöfen und leeren Seitengassen. 
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