Die Stadt – Benjamin Damm

Die Morgenröte schien ihm in das Gesicht, als er sich auf den Weg machte. Auch die Gebäude der Stadt erstrahlten in diesem fahlen Rot. „Wie immer“, dachte er. Und er nahm die lange Brücke über den Fluss, die nahm er immer, dachte er. Ruhig lag sie, die Stadt, nur seine Schritte warfen ab und zu ein leises, manchmal auch lauteres Pochen von den Wänden zurück. Als würde dahinter ein Herz schlagen. An der Ecke traf er, wie immer, nicht den alten hageren Typen, der mit dem schwarzen Hut, den er manchmal zu erwarten vermochte, er traf stattdessen sich. Es gibt viel zu tun dachte er, wie immer eben, und er ging weiter, zielstrebig. Dabei wuchs der Weg vor seinen Füßen. Immer im Takt seiner Schritte. Die vor ihm aufgehende Sonne ließ ihn einen langen Schatten werfen. Er sah aber nicht hin. In Gedanken versunken, immer dem Takt folgend ging er voran. Am Horizont fuhren geschäftig die Züge. Die Schienen gingen von rechts nach links, sodass sie von einem Ende der Stadt an das andere kamen. Nie standen die Züge still, man konnte immer das Rattern der Räder auf den vor Glut blauenden Schienen hören. Er ist nie mit einem gefahren, dafür fehlte ihm Zeit, denn um voran zu kommen, konnte man nicht rückwärts fahren. Und er war immer unterwegs. Aber er sah gern zu wohin sie fuhren, mit solcher Hingabe, dass er nicht einmal einen Menschen bemerkt hätte, auch wenn er genau seinen Weg gekreuzt hätte. Es gab nicht viele die seinen Weg kreuzten, trotzdem schienen es mehr zu werden. An jedem Morgen. Sie wuchs, die Stadt und mit ihr sein Weg den er zurücklegen musste.